von Sergio Baumann

Wie du als Diabetiker sorgenfrei Bier trinken kannst

Diabetikern wird oft geraten, auf Alkohol zu verzichten. Dabei ist in der Regel ein Bier täglich absolut kein Problem. Und auch wenn der Fussballmatch in die doppelte Verlängerung geht und ein weiteres Bier her muss, ist das noch lange kein Grund zur Panik. Solange ein paar elementare Dinge beachtet werden.

Alkohol hemmt die Glukose-Produktion

Das Problem mit dem Alkohol ist nicht der Zuckergehalt. Dafür sind meist die Zuckerzusätze in Likören, alkoholfreiem Bier oder Cocktails zuständig. Davon sollte eh die Finger gelassen werden. Das tatsächliche Problem ist, dass Alkohol den Blutzucker senkt. Und zwar mit mehreren Stunden Verzögerung. Denn die Leber speichert Kohlenhydrate und gibt sie üblicherweise kontinuierlich als Glukose ins Blut ab, um dein Gewebe mit Energie zu versorgen. Doch während du dein Bierglas erhebst, muss sich deine Leber an die Arbeit machen, den Alkohol abzubauen. Dann ist sie leider zu beschäftigt, um auch noch Glukose freizusetzen. Die Folge: Tiefer Blutzucker. Im Extremfall kann sogar Unterzuckerung eintreten. Doch passiert das meist erst über Nacht oder sogar am Folgetag, daher kann nicht sofort reagiert werden.

“Drei Bier = eine Mahlzeit”

Mit dem zweithöchsten Kaloriengehalt, gleich nach Fett, ist Alkohol eine Energiebombe. Und Bier ist bekanntlich sogar “flüssiges Brot”. Ein grosses Glas Bier kann gleich viele Kalorien haben, wie ein Stück Pizza. Je dunkler das Bier, desto mehr Kalorien und Kohlenhydrate, so die Faustregel. Die Fülle an Kohlenhydrate im Bier führt zwar kurzfristig zu einem Blutzuckeranstieg, doch dieser fällt rasant wieder ab. Um die Blutzuckersenkung zu minimieren, solltest du vor dem Trinken eine kalorienreiche Mahlzeit einnehmen. Auch während dem Trinken sollte immer wieder etwas gesnackt werden.

Do it your way!

Bereits mit 0,45 Promille im Blut wird die Zuckerfreisetzung aus der Leber gestört – das heisst unter Umständen bereits nach zwei Gläschen Bier. Doch wie das Bier deinen Blutzucker beeinflusst, lässt sich leider nicht messen. Da spielen Faktoren wie Geschlecht, Gewicht und Grösse in der Kalkulation mit. So bauen Frauen beispielsweise Alkohol weniger schnell ab als Männer.

Generell muss jeder seinen eigenen Weg finden. Taste dich langsam heran, und messe deinen Blutzucker vor, während und nach dem Konsum, um zu sehen, wie dein Körper reagiert. Jeder Alkohol-Neuling sollte auf jeden Fall mit seinem Arzt sprechen.

Prost!

Bier und Diabetes Checkliste

  • Essen

    Trink nicht auf leeren Magen. Iss vor dem Biertrinken eine kalorienreiche Mahlzeit. Knabbere auch zwischendurch immer wieder etwas.

  • Tanzen:

    Schwingst du dich gerne auf die Tanzfläche, denke daran, dass durch die zusätzliche Bewegung der Blutzucker noch mehr gesenkt wird.

  • Messen

    Miss deinen Blutzucker öfters – vor, während und nach dem Trinken. Besonders vor dem Einschlafen solltest du 180mg/dl nicht unterschreiten. Meist sinkt der Blutzucker mehrere Stunden verzögert ab.

  • *Hicks*

    Schau nicht so tief ins Glas, dass du den Insulinpen auf die Dartscheibe zu werfen beginnst.

  • Freunde informieren

    Lass deine engsten Bierfreunde wissen, dass du Diabetes hast.

  • Glukagonspritze wirkungslos

    Bedenke: Glukagonspritzen sind bei schweren Hypos nach dem Trinken absolut wirkungslos.

  • Unsicher?

    Bist du dir unsicher, und bist dir Bierkonsum nicht sehr gewohnt, frage unbedingt deinen Arzt um Rat.

Quellen:
diabetes-heute.uni-duesseldorf.de
integrateddiabetes.com/
dtc.ucsf.edu/living-with-diabetes/diet-and-nutrition/diabetes-alcohol/